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EGO STATE THERAPIE [Fachzeitschrift Hypnotherapie]

Ego State Therapie

(Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie, Oktober 2007)

(http://www.meg-stiftung.de/meg-stiftung.html)

Gegenüber der Vorstellung vom einheitlichen "Ich" gibt es etliche psychotherapeutisch relevante Konzeptionen auf der Grundlage unterschiedlicher "Ich-Zustände". Die Ego State-Therapie wurde von J.G. und H.H. Watkins auf der Grundlage von Konzepten Paul Federns begründet und ist möglicherweise die komplexeste und therapeutisch bedeutendste unter ihnen. Im Zusammenhang mit dem zunehmenden Verständnis vieler Traumafolgeschädigungen als dissoziativen Phänomenen wird die Ego State-Therapie zunehmend interessant für die traumatherapeutische Praxis.

Im Mittelpunkt des Heftes steht eine differenzierte Darstellung ausgewählter Themen der Ego State Therapie durch die prominente Hypno- und Ego State-Therapeutin (und Psychiaterin) Claire Frederick. Zunächst wird ein Überblick über die Entwicklung der Ego State-Therapie gegeben, über Ähnlichkeiten und Unterschiede zur systemischen Familientherapie nach R. C. Schwartz (siehe auf dieser Liste) und anderen Ansätzen. Unterschiedliche Ich-Zustände werden dargestellt sowie der Umgang mit ihnen innerhalb der Ego State- Therapie. Ausführliches Thema sind therapeutisches Bündnis sowie Sackgassen, Fallen und Möglichkeiten von Übertragung und Gegenübertragung. Zuletzt geht es um Entwicklungsmöglichkeiten von Ich-Zuständen sowie die Bedeutung "positiver" Ich-Zustände in Psychotherapie und Pädagogik. (Das große Thema Traumatherapie wurde ausgeklammert, es hätte den Rahmen gesprengt. Hierzu gibt es eine eigene Veröffentlichung der Autorin, zusammen mit Maggie Phillips: 'Handbuch der Hypotherapie bei posttraumatischen und dissoziativen Störungen'.)

Offensichtlich wurden für mich Korrelationen der Ego State-Therapie zu Core Transformation (Andreas) und Focusing (Gendlin) sowie zur schamanischen Traumatherapie (Ingerman) (alles auf dieser Liste). Vor allem anderen aber ist die Ego State-Therapie ohne Zweifel derzeit das ideale "Handwerkszeug" zur Umsetzung der STRUKTURELLEN DISSOZIATION (siehe auf dieser Liste: van der Hart/Nijenhuis/Steele) in die therapeutische Praxis! (Dies betont sinngemäß auch Luise Reddemann in einem Beitrag des Heftes.)

Implizit und explizit findet sich in Fredericks Artikel der Versuch, eine spezifische Ego State-Pathologie diagnostisch abzugrenzen von dissoziativen Störungen. Für diese konzeptionelle Verkomplizierung sehe ich keine Notwendigkeit, zumal Ego State-Therapie (nach Aussage von Frederick) in einem sehr weiten diagnostischen Spektrum eingesetzt wird. Statt eine eigene Ego State Disorder diagnostisch festklopfen zu wollen, ist es vielleicht zweckmäßiger, auf Grundlage der Strukturellen Dissoziation dissoziative Momente bei diagnostisch bereits festgeschriebenen Phänomenen zu suchen und die Ego State-Therapie umfassender zu verbinden mit neueren therapeutischen (neurobiologischen, psychotraumatologischen) Erkenntnissen, wie es in Deutschland vor allem Jochen Peichl macht (siehe auf dieser Liste).

Fredericks Artikel ist eine faszinierende Darstellung über eine vielfältig nutzbare therapeutische Methode, die in den deutschsprachigen Ländern wohl erst wenig genutzt wird. Weder sind hypnotische Elemente konstitutiv für die Ego State-Therapie, noch muß man nun alle Blickwinkel übernehmen (Temperamente? Charaktertypen?) - die Ego State-Therapie als vielfältiges therpeutisches Erfahrungswissen hat jedoch ihre große Zeit möglicherweise noch vor sich!

Neben dem Artikel von Frederick enthält das Heft einen Vortrag Luise Reddemanns, in dem sie eine Brücke schlagt zwischen Ego State-Therapie und der vorrangig durch sie selbst entwickelten traumatherapeutischen Methode, insbesondere der Arbeit mit kindlichen Anteilen. Burkhard Peter hat frühe Zeugnisse mutmaßlich dissoziativer Identitätsstörungen ausgegraben (im Werk des romantischen Arztes und Dichter Justinus Kerner), Peter Lembrecht referiert das Beispiel eines 4-Phasen-Modells für Hypnotherapie bei komplexen Störungen und Sabine Sühnel stellt  den bedeutenden Hypotherapeuten Milton H. Erickson vor.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Heft, in dem vieles aus der therapeutischen Praxis Bekannte unter einem eigenen Blickwinkel betrachtet wird!

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    In Kooperation mit SäCHSISCHE GESELLSCHAFT FüR SOZIALE PSYCHIATRIE e.V.
    (www.sozialpsychiatrie-in-sachsen.de)

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