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SCHERWATH, Corinna/ Sibylle Friedrich: Soziale und pädagogische Arbeit bei Traumatisierung

Corinna Scherwath / Sibylle Friedrich: Soziale und pädagogische Arbeit bei Traumatisierung

(München/Basel 2012)

 

PatientInnen/KlientInnen mit Traumaerfahrungen finden sich in allen sozialpädagogischen und erzieherischen Arbeitsbereichen. Noch immer versuchen MitarbeiterInnen oft, diesen Aspekt zu ignorieren - nicht zuletzt wegen der Unsicherheit, wie sie damit umgehen können oder sollen. Dabei liegt ein unverzichtbarer Schwerpunkt jeder Heilung von traumatisch bedingten seelischen Verletzungen darin, angenommen zu werden von Mitmenschen, im Alltag - mit dem schlimmen Schicksal!

Unverkennbar geht das neue Fachbuch vom (sozial-)pädagogischen Blickwinkel aus - nicht vom medizinisch-psychiatrischen und auch nicht vom psychotherapeutischen. Das zeigt sich in Beipielen und Metaphern, in der Gewichtung auf psychosoziale Zusammenhänge. Sozialpädagogische Arbeit versucht, Brücken zu schlagen zwischen sozialer Normalität und individuellen Situationen und Schicksalen. Traumaüberlebende KlientInnen haben aber oft keinerlei Selbstverständnis für "Normalität" in diesem Sinne. Angesichts solcher Schwierigkeiten schlagen die beiden Autorinnen eine Brücke, - indem sie traumapädagogische Möglichkeiten sacht verknüpfen mit der "sozialpädagogischen Normalität". J

Konsequent liegt die Aufmerksamkeit der Darstellung auf den umfassenden psychosozialen Auswirkungen von Traumatisierung, - nicht auf medizinisch-diagnostisch relevanten Symptomen! Das heißt nicht zuletzt: es geht in erster Linie um das konkrete innere Leid von KlientInnen.

Traumasensible (sozial-)pädagogische Arbeit sollte sich grundlegend orientieren an einer "Schatzsucher"-Mentalität: es geht um Schutzfaktoren, um Ressourcen und Resilienz, um stabilisierende Faktoren - und in erster Linie: um die überragende Bedeutung von Bindung.

Die Qualität der Bindung in der Klient-/Betreuerbeziehung wird in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern oft nur wenig beachtet. Für die Autorinnen ist die pädagogische Beziehung jedoch kein "Nebenprodukt", sondern steht im Mittelpunkt der sozialpädagogischen Handlungsplanung! Von daher sprechen sich Corinna Scherwath und Sibylle Friedrich deutlich aus für "professionelle Nähe" - im Gegensatz zu der oft beschworenen "professionellen Distanz". Sie beziehen sich dabei u.a. auf die Arbeiten von Karl Heinz Brisch und Silke B. Gahleitner (deren wichtiges Buch 'Neue Bindungen wagen' 2005 im selben Verlag erschienen war).

Das sehr kompakte Buch enthält eine Fülle von praxisorientierten Übungen, Beispielen, Methoden,  Bildern, Metaphern, Hinweisen auf weiterführende Literatur. Und in mancher Hinsicht ist diese Arbeit eine für den vortherapeutischen Bereich fast organisch wirkende Ausdifferenzierung der von Luise Reddemann konzipierten Herangehensweise.

Nur noch ein paar Stichworte zu einigen Themen des Buches: Generationsübergreifende Traumata, Schuld und Scham, Ego States und Innere Teams, Katastrophenhilfe, Akuttrauma, Übersicht über psychotherapeutische Methoden, Sekundäre Traumatisierung (bei HelferInnen), Psychohygiene im Team. - -

Toll! Wunderbar! Herzlichen Glückwunsch!

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    In Kooperation mit SäCHSISCHE GESELLSCHAFT FüR SOZIALE PSYCHIATRIE e.V.
    (www.sozialpsychiatrie-in-sachsen.de)

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